Stottern ist eine Redeflussstörung, die etwa fünf Prozent aller Kinder im Vorschulalter betrifft. Für Eltern kann es beunruhigend sein, wenn ihr Kind plötzlich beginnt zu stottern. In diesem Artikel erklären wir, was Stottern ist, welche Ursachen es hat und wie Sie als Eltern helfen können.
Was ist Stottern?
Stottern zeigt sich durch Unterbrechungen im Redefluss. Diese können verschiedene Formen annehmen:
- Wiederholungen: Von Lauten, Silben oder Wörtern („Ich-ich-ich will...")
- Dehnungen: Verlängerung von Lauten („Mmmmmama")
- Blockierungen: Vollständiges Stocken, oft mit sichtbarer Anspannung
Entwicklungsbedingtes Stottern vs. beginnendes Stottern
Viele Kinder durchlaufen zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr eine Phase, in der sie Wörter oder Satzteile wiederholen. Dies ist oft Teil der normalen Sprachentwicklung und verschwindet meist von selbst wieder.
Anzeichen für entwicklungsbedingtes Stottern:
- Lockere Wiederholungen ohne Anspannung
- Kind zeigt keine Frustration oder Vermeidung
- Tritt meist in Phasen intensiver Sprachentwicklung auf
- Keine sichtbare körperliche Anstrengung
Anzeichen für beginnendes Stottern:
- Sichtbare Anspannung beim Sprechen
- Mitbewegungen (Augenzukneifen, Kopfbewegungen)
- Kind vermeidet bestimmte Wörter oder Situationen
- Frustration oder Äußerungen wie „Ich kann das nicht sagen"
- Stottern dauert länger als sechs Monate
Ursachen des Stotterns
Stottern hat keine einzelne Ursache, sondern entsteht durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren:
- Genetische Veranlagung: Stottern kommt in Familien gehäuft vor
- Neurologische Unterschiede: Bei stotternden Menschen wurden Unterschiede in der Gehirnaktivität festgestellt
- Sprachentwicklung: Manchmal entwickelt sich das Sprachvermögen schneller als die motorische Koordination
- Temperament: Sensible Kinder können anfälliger sein
Wichtig: Stottern wird NICHT durch Erziehungsfehler, Schreckerlebnisse oder zu schnelles Sprechen der Eltern verursacht!
Tipps für Eltern: So können Sie helfen
Do's – Das hilft Ihrem Kind:
- Hören Sie geduldig zu, ohne zu unterbrechen
- Halten Sie Blickkontakt und zeigen Sie Interesse am Inhalt
- Sprechen Sie selbst langsam und entspannt
- Lassen Sie Pausen im Gespräch zu
- Loben Sie Ihr Kind für gelungene Kommunikation
- Schaffen Sie entspannte Gesprächssituationen
Don'ts – Das sollten Sie vermeiden:
- Sätze für Ihr Kind beenden
- Bitten, langsamer zu sprechen oder tief durchzuatmen
- Kritische Kommentare zum Sprechen
- Sichtbare Ungeduld zeigen
- Das Kind vor anderen korrigieren
Wann sollten Sie professionelle Hilfe suchen?
Eine logopädische Beratung ist empfehlenswert, wenn:
- Das Stottern länger als sechs Monate anhält
- Ihr Kind sichtbar unter dem Stottern leidet
- Mitbewegungen oder Anspannung auftreten
- Es Stottern in der Familie gibt
- Ihr Kind Situationen vermeidet, in denen es sprechen muss
- Sie als Eltern verunsichert sind
Therapiemöglichkeiten
Die logopädische Behandlung von Stottern ist bei Kindern besonders erfolgversprechend. Je früher die Therapie beginnt, desto besser sind die Chancen auf eine vollständige Überwindung des Stotterns.
Bewährte Therapieansätze sind:
- RESTART-Methode: Indirekte Therapie über die Eltern für sehr junge Kinder
- Lidcombe-Programm: Verhaltenstherapeutischer Ansatz für Vorschulkinder
- Spielerische Übungen: Zur Verbesserung des Redeflusses
- Elternberatung: Unterstützung für einen hilfreichen Umgang zuhause
Wir beraten Sie gerne und helfen Ihnen, den besten Weg für Ihr Kind zu finden. Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch.