Schluckstörungen, medizinisch Dysphagie genannt, betreffen viele ältere Menschen und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Schluckstörungen erkennen, welche Ursachen sie haben und wie moderne Therapieansätze helfen können.
Was ist eine Schluckstörung?
Eine Schluckstörung liegt vor, wenn der Schluckvorgang nicht mehr reibungslos funktioniert. Der Schluckakt ist ein komplexer Vorgang, an dem mehr als 50 Muskeln und mehrere Hirnnerven beteiligt sind. Störungen können in jeder Phase des Schluckens auftreten:
- Orale Phase: Nahrungsaufnahme und -zerkleinerung im Mund
- Pharyngeale Phase: Transport durch den Rachen
- Ösophageale Phase: Transport durch die Speiseröhre in den Magen
Wie häufig sind Schluckstörungen?
Schluckstörungen sind im Alter weit verbreitet:
- Etwa 16% der über 65-Jährigen sind betroffen
- In Pflegeheimen liegt die Rate bei bis zu 60%
- Nach einem Schlaganfall haben 50-80% der Betroffenen Schluckprobleme
Ursachen von Schluckstörungen im Alter
Altersbedingte Veränderungen (Presbyphagie)
Mit zunehmendem Alter treten natürliche Veränderungen auf:
- Reduzierte Speichelproduktion
- Nachlassende Muskelkraft im Mund- und Rachenbereich
- Veränderungen der Zahngesundheit
- Verlangsamte Reflexe
Neurologische Erkrankungen
- Schlaganfall
- Parkinson-Krankheit
- Demenz
- Multiple Sklerose
- ALS (Amyotrophe Lateralsklerose)
Weitere Ursachen
- Tumorerkrankungen im Kopf-Hals-Bereich
- Nebenwirkungen von Medikamenten
- Operationen im Halsbereich
- Refluxerkrankung
Warnzeichen einer Schluckstörung
Achten Sie auf folgende Anzeichen:
- Häufiges Verschlucken oder Husten beim Essen und Trinken
- Gurgelnde oder „nasse" Stimme nach dem Schlucken
- Gefühl, dass Nahrung im Hals stecken bleibt
- Vermehrter Speichelfluss oder Schwierigkeiten, Speichel zu schlucken
- Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit
- Vermeidung bestimmter Nahrungsmittel
- Längere Essenszeiten
- Wiederkehrende Lungenentzündungen
Gefahren unbehandelter Schluckstörungen
Eine unbehandelte Dysphagie kann schwerwiegende Folgen haben:
Aspiration und Aspirationspneumonie
Wenn Nahrung oder Flüssigkeit in die Luftröhre gelangt (Aspiration), kann dies zu einer Lungenentzündung führen. Dies ist eine der häufigsten Todesursachen bei älteren Menschen mit Schluckstörungen.
Mangelernährung und Dehydration
Schwierigkeiten beim Essen und Trinken können zu Unterernährung und Flüssigkeitsmangel führen, was weitere Gesundheitsprobleme nach sich zieht.
Verminderte Lebensqualität
Essen ist ein wichtiger sozialer und genussvoller Aspekt des Lebens. Schluckstörungen können zu sozialem Rückzug und Depression führen.
Diagnostik
Die Abklärung einer Schluckstörung umfasst verschiedene Untersuchungen:
- Klinische Schluckuntersuchung: Beobachtung beim Essen und Trinken
- FEES: Endoskopische Untersuchung des Schluckakts
- Videofluoroskopie: Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel
- Logopädische Befunderhebung: Funktionsprüfung der am Schlucken beteiligten Strukturen
Therapiemöglichkeiten
Logopädische Schlucktherapie
Die logopädische Therapie bildet das Kernstück der Behandlung und umfasst:
- Restituierende Verfahren: Übungen zur Verbesserung der Schluckfunktion
- Kompensatorische Techniken: Anpassung der Körperhaltung und Schlucktechniken
- Adaptive Maßnahmen: Anpassung der Nahrungskonsistenz
Ernährungsanpassung
Je nach Schweregrad können Anpassungen hilfreich sein:
- Pürierte oder weiche Kost
- Angedickte Flüssigkeiten
- Kleinere, häufigere Mahlzeiten
- Anpassung der Temperatur und Geschmacksintensität
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die optimale Versorgung erfolgt im Team mit:
- HNO-Ärzten
- Neurologen
- Ernährungsberatern
- Pflegekräften
- Ergotherapeuten
Prävention und Selbsthilfe
Einige Maßnahmen können helfen, Schluckproblemen vorzubeugen:
- Aufrechte Körperhaltung beim Essen
- Langsam und bewusst kauen
- Kleine Bissen nehmen
- Nicht sprechen während des Essens
- Regelmäßige Zahnpflege und Mundpflege
Wenn Sie bei sich oder einem Angehörigen Anzeichen einer Schluckstörung bemerken, sollten Sie nicht zögern, professionelle Hilfe zu suchen. Frühzeitige Intervention kann schwerwiegende Komplikationen verhindern. Kontaktieren Sie uns gerne für eine Beratung.